Adaptationsmechanismen für technologiegestütztes Lernen - Unterstützung informeller Formen des Lernens am Arbeitsplatz

Christoph Rensing

Thursday June 22, 2017

German abstract:

Informelle Lernformen innerhalb offener Lernumgebungen, die in der beruflichen Fort- und Weiterbildung zunehmend relevant sind, stellen sehr hohe Anforderungen an die Lernenden. In dieser Arbeit wurden für zwei konkrete berufliche Lernszenarien neue Konzepte für in den Szenarien nutzbare Lernanwendungen entwickelt. Es handelt sich um Erweiterungen bzw. die Kombination vorhandener Konzepte. Die Konzepte wurden jeweils als Proof-of-Concept implementiert und in der betrieblichen Praxis genutzt und evaluiert. Somit wurden neuartige Lernanwendungen gestaltet, die den Lernenden Funktionen zur Durchführung des Lernprozesses zur Verfügung stellen. Die Konzepte und ihre Umsetzung in Lernanwendungen bieten einen pädagogischen und praktischen Mehrwert gegenüber den bisher verwendeten bzw. zur Verfügung stehenden Konzepten und Anwendungen. Beide Anwendungen wurden um Adaptionsmechanismen ergänzt, die zur Unterstützung des individuellen Lernenden in seiner aktuellen Lernaufgabe konzipiert und entwickelt wurden.
Der Beitrag, der in der Arbeit vorgestellten konzeptionellen Erweiterungen des Social Bookmarkings und deren Realisierung in der CROKODIL-Lernumgebung, liegt zunächst in einer durchgängigen Unterstützung aller Teilprozesse innerhalb des sogenannten Ressourcen-basierten Lernens. Die Phasen der Planung und Reflexion wurden in Social-Bookmarking-Anwendungen bisher nicht unterstützt. Dazu dienen Aktivitäten. Sie sind realisiert als spezifischer Typ eines Tags und lassen sich hierarchisch strukturieren. ein weiterer eigener Beitrag in diesem Bereich besteht in den vier verschiedenen in der Arbeit realisierten Empfehlungssystemen.
Spezifisch für den situativen Wissenserwerb im mobilen Arbeitskontext, unter besonderer Berücksichtigung des Erfahrungswissens, wurden ein Konzept aus der Kombination von Just-in-Time Learning mittels sogenannter Mirco-Learning Inhalte mit einem Frage- und Antwortsystem vorgestellt. Dessen Umsetzung erfolgte in der MOLEM-Lernanwendung. Sie unterscheidet sich von heute in solchen Szenarien häufig verwendeten Sofortnachrichtendiensten, wie WhatsApp, in verschiedenen Eigenschaften, die den spezifischen Beitrag des Konzepts und von MOLEM darstellen. Fragen und zugehörige Antworten sind in der MOLEM-Lernanwendung durchsuchbar. Somit müssen wiederkehrende Fragen nicht erneut gestellt werden. Die Bereitstellung von Micro-Learning Lerninhalten erweitert das didaktische Szenario maßgeblich. Als Anpassungsmechanismus wurde ein Verfahren zur Steuerung der Interaktion in Abhängigkeit von den aktuellen Benutzeraktivitäten vorgestellt. Das Verfahren zur Audio-basierten Bestimmung der Benutzeraktivitäten stellt einen weiteren eigenen Beitrag dar. Erste Untersuchungen einer Übertragung dieses Verfahrens auf die Erkennung von typischen studentischen Aktivitäten haben gezeigt, dass dieses Verfahren auch in andere Anwendungsszenarien übertragbar ist.
Neben den genannten Beiträgen für die zwei spezifischen Szenarien leistet die Arbeit einen grundsätzlichen Beitrag zur Begriffsklärung und damit für ein einheitliches Verständnis des umfangreichen Forschungsfeldes der adaptiven Lernanwendungen. So werden verschiedene Formen von Adaptation in Lernanwendungen definiert und überblicksartig bestehende Verfahren zur Anpassung von Lernanwendungen beschrieben und klassifiziert.

PhD Theses